1. Kapitel: Bali

|03.04. – 19.04.2017|

Surfen, Reisterrassen und der Ruf des Flippers

Wir befinden uns auf Bali. Nach einem doch moderaten Flug von ca. 20 Stunden haben wir es geschafft. Die Weltreise hat begonnen. Vor uns liegen knapp 12 Monate unbekannte Länder, neue Kulturen, exotische Tierwelten, atemberaubende Naturspektakel und auch darauf hoffen wir sehr, kulinarische Erlebnisse, die unvergesslich bleiben werden.

Der Beginn unserer Reise ist bewusst gewählt. Denn wir erhoffen uns von Bali einen sanften Einstieg in das quirlige Südostasien. Bali, die “hinduistische Extrawurst” Indonesiens hat es geschafft, sich einen festen Platz im Herzen vieler Touristen zu erobern. Zu Recht, denn die Menschen sind sehr aufgeschlossen und freundlich, Bauten und Straßen wirken gepflegt und es gibt diverse westliche Annehmlichkeiten.

Süd-Bali | “Surf & Turf”

Unsere erste Station heißt Canggu. Eine halbe Stunde von Kuta gelegen, bietet es eine optimale Ausgangsbasis, den Süden Balis zu erkunden. Canggu an sich ist klein, die Wellen des Surftourismus sind bereits in dieses Örtchen geschwappt. Muskelbepackte Australier scheinen die Gegend fest im Griff zu haben. Es wirkt, als seien Surfen, Bier und Burger ihre Hauptinteressen. Eigentlich schade. Wir mieten uns bereits am zweiten Tag einen Roller und machen uns auf Erkundungstour. Seminyak und Kuta schauen wir uns an – zu touristisch, zu wenig authentisch. Jimbaran ist da um einiges netter. Aber auch hier treffen wir auf ganze Touristenbusse und unsäglich viel Müll am Strand. Trotzdem: Eine leckere Kokosnuss gibt es immer und wir freuen uns, endlich braun zu werden und den Sand zwischen unseren Zehen zu spüren.

Wir machen Trips zu dem Tempel Tanah Lot (übersetzt “Meerestempel”) und zum Tempel Uluwatu (wird “Tempel der Klippen” genannt) am Strand von Uluwatu. Beide Tempel gehören zu den sechs heiligen Tempeln Balis. Besucherströme, zumeist Chinesen, schieben sich über die Treppen; Stände mit Ramsch und Essen haben die Eingangsbereiche erobert. Uns gefallen beide Tempel und wir lachen über die Selfiestick-verliebten Chinesen, unterm Strich müssen wir aber feststellen, dass beide Orte schon lange jegliche Spiritualität verloren haben. Vielleicht ganz früh am Morgen oder spät am Abend kann man die Heiligkeit dieser Tempel noch spüren. Nach 5 Nächten machen wir uns via Uber weiter nach Ubud.

Ubud | “Reis. Reis. Baby.”

Endlich Ubud, das kulturelle Zentrum Balis. Wir haben uns so gefreut. Trotzdem staunen wir nicht schlecht, als wir kein magisches Dörfchen umgeben von Reisfeldern vorfinden, sondern ein entwickeltes Universum voller Geschäfte. Nicht Handwerk, sondern große Shoppingketten, plärrende Taxifahrer und aufdringliche Frauen, die uns eine Massage andrehen wollen. Ubud hat schließlich die größte Spa-Dichte der Welt. Keine Möglichkeit tief durchzuatmen, aber wir gewöhnen uns schnell daran. Unsere Unterkunft liegt im Zentrum dieses Universums und schon nach wenigen Tagen scheint das alles ganz normal für uns zu sein. An einem Tag haben wir sogar das Glück einer traditionellen Bestattungszeremonie beiwohnen zu können. Es sind sehr viele Menschen zugegen, die Straße ist verstopft, aber wir sind ganz nah am Geschehen. Sehen den Sohn auf dem Sarg seiner Mutter sitzend, wie er durch den Ort getragen wird. Sehen die Opfergaben, die Menschen, die sich für diesen Anlass herausgeputzt haben und am Ende die Verbrennung. Beide sind wir dankbar, dass die hinduistischen Balinesen so offen sind, Westliche an solchen Zeremonien teilhaben zu lassen.

Ubud wird zum Startpunkt für unzählige Ausflüge. Wir mieten uns Fahrräder und Roller und erkunden was das Zeug hält. Zuerst geht es zu den Reisterrassen von Tegalalang. Der Blick auf die Reisterrassen ist für uns beide ein atemberaubendes Spektakel. Wir genießen die Aussicht und spazieren durch die Terrassen. Leider wird an verschiedenen Punkten “Wegegeld” verlangt und das mal mehr und mal weniger dreist. Aber kein Grund, sich die Laune verderben zu lassen. Wir verlassen die ausgetretenen Pfade und können sogar unberührte Ecken ausmachen. Auf dem Rückweg finden wir mit etwas Glück einen Pfad, der mitten durch die Reisfelder führt. Mit dem Fahrrad gleiten wir durch das satte Grün, genießen die fast schon meditative Ruhe und freuen uns diesen traumhaften Ort gefunden zu haben.

In den darauffolgenden Tagen sind wir viel mit dem Roller unterwegs. Unser Entdeckerdrang scheint ungestillt und so schauen wir uns weitere Tempel an. Zum Teil in Stein gemeißelt aber auch den sogenannten “Wassertempel”. Dort können sich Gläubige im heiligen  Quellwasser reinwaschen, indem sie von Brunnen zu Brunnen wandeln. Diese Prozession wirkt, trotz des großen Dargebots an Leuten, sehr spirituell. Nebenbei nehmen wir eine Kaffeefarm mit, um den weltberühmten Luwak-Kaffee zu probieren. Dieser schmeckt übrigens sehr gut, überhaupt nicht nach “Poop”. Wir besuchen den Mount Batur, ein Vulkanberg, der uns vor allem durch seine dürre Kraterlandschaft beeindruckt und gehen endlich auch einmal shoppen. Obwohl uns die Schweißperlen auf der Stirn und Panik in den Augen steht, betreten wir den Markt von Sukawati und finden – man mag es kaum glauben – zwei Balinesinnen, die unangestrengt und leise, anständige Preise für einen Sarong und eine Hose mit uns verhandeln. Kein Geschreie, kein Gezerre, hübsche Sachen zu einem sehr guten Preis – wir sind glücklich über unseren Erfolg.

In den wenigen Tagen unternehmen wir so viel, dass ein Blogbeitrag das kaum abdecken mag. Zu den weiteren Highlights gehören die Reisterrassen von “Jatiluwih”, Weltkulturerbe, und das zu recht. Denn sie verzaubern uns, trotz des wolkenverhangenen Himmels und der unverschämten Eintrittspreise, mit ihrer Ruhe und Weitläufigkeit. Wir essen “Balinese Duck”, eine Spezialität, die 24h gekocht wird und für uns eine willkommene und leckere Alternative zu dem sonst typischen “Ayam” (Hühnchen) darstellt. Wir finden etwas Entspannung und kurze Ruhe bei balinesischen Fuß- bzw. Ganzkörpermassagen. Darüber hinaus, sind die Tage gespickt mit frisch gepressten Säften (Watermelon, Pineapple, Lime, Orange, Mango etc.), leckerem Essen (Nasi Goreng, Mie Goreng, Nasi Trallala) und dem freundlichen “Hello. Where are you from?” der Balinesen. Da gerade Feiertage sind, finden sich an jeder Stelle Festlichkeiten, Dekorationen, Musik und Gerüche. Ubud bleibt für uns unvergesslich – denn hier saugen wir die Seele Balis auf.

Pemuteran | “Endlich: Delphine.”

Wie geplant, machen wir uns auf den Weg nach Pemuteran, in den Nordwesten Balis. Pemuteran hat einen schönen kleinen Strand, auf dem sich zwar genügend “Bule” (Weiße) rumtreiben, der aber trotzdem noch sehr unberührt und sauber wirkt. Wir fühlen uns sofort wohl, was sicherlich auch an unserer hervorragenden Unterkunft liegt. Mit Swimmingpool und einem “Openair-Bad” lässt es sich gut aushalten. Wir buchen bereits für den nächsten Tag einen Schnorcheltrip zu der Insel Menjangan. Diese kleine vorgelagerte Insel an der Nordwestspitze Balis – etwa zwei Kilometer lang und nur ca. 300 Meter breit – gehört zwar zum Nationalpark Taman Bali Barat, ist aber eigentlich eine Attraktion für sich. Der Schnorcheltrip macht Spaß, auch wenn das Riff schon sehr verblasst wirkt. Wir sehen Nemos und holen uns den schlimmsten Sonnenbrand aller Zeiten. Bereits am nächsten Tag folgt dann das absolute Highlight: “Dolphin-Watching”. Früh um 5 Uhr werden wir in das eine Stunde entfernte Lovina gefahren, wo wir ein Fischerboot besteigen. Der Sonnenaufgang ist bereits traumhaft. Wahrlich glücklich fühlen wir uns, als wir die ersten Delphine sehen. Unser Fischer spricht zwar kein Englisch, scheint dafür aber ein umso besseres Gespür zu haben, wann die süßen Meerestiere aus dem Wasser aufsteigen. Die Szenerie war magisch und wir können uns oberpeinliche “aaahss” und “uiiis” nicht verkneifen. Nach ca. 1,5 h fahren wir zurück nach Pemuteran und verbringen den Rest des Tages glückselig am Strand. Wir entscheiden, dass nach ca. 2,5 Wochen unser Delphin-Abenteuer ein guter Abschluss für Bali ist und wir bereit sind. Bereit für das Land der Vulkane – Java.

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